MALEREI

Gudrun Reeh kam zur freien Kunst über die Photographie. Meisterliche Naturaufnahmen, vor allem Vögel, Landschaften, im eisigen Winter, im Sommer, zu jeder Tageszeit entwickelte sie ihr eigene Bildästhetik.Aber sie wollte mehr. Nicht nur abbilden, selber „bildnern“ wurde ihr immer wichtiger. Sie arbeitete sich durch die widerborstigen Anfänge mit Bleistift, Kohle und Pinsel. Für alle, die es nicht wissen: Eine gehörige Portion Mut und Dickköpfigkeit braucht es. Aufhören geht leicht, dabei bleiben ist der Weg zur Kunst!

Sie entwickelte eigene Themen mit verblüffenden Ideen. Sie entpuppte sich als talentierte Koloristin mit gutem Gespür für außergewöhnliche Farbumgebungen und sie fand ein Thema, der weibliche Mensch im Portrait und seiner ganzen Fraulichkeit.

Kleiner Exkurs in die Kunstgeschichte. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich im flämischen und niederländischen Barock eine künstlerische Besonderheit: Die Tronjes. Dies waren Bilder, meist mittleren Formats, von Köpfen oder Büsten, die aber keiner lebenden Person zugeordnet werden konnten, sondern Erfindungen der Künstler waren, um gewisse Charakteristika, Gemütszustände oder Standeszugehörigkeiten abzubilden. Sie erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden auch von den Großkünstlern des Barock, wie Rembrandt, Rubens oder Frans Hals gerne hergestellt. Diese Art der Protraiterfindung geht zurück auf die Meister der Renaissance, wie Leonardo da Vinci oder Raphael, die bereits Phantasieköpfe zeichneten und malten, um sie später in ihre großen Mythen- und Historienbilder einzufügen. Ein Tradition, die sich bis heute fortsetzt, man braucht nur an die „Tronjes“ von Marlene Dumas oder Portraits von Elisabeth Peyton denken.

Die fiktiven Portraits von Gudrun Reeh, zumeist Aquarelle, gehen zurück auf Bilder in Modezeitungen, Standphotos vom Fernsehschirm oder selbstgeschossenen Aufnahmen, nicht umsonst ist sie Photographin! Oft spiegeln sie einen hintergründigen Humor, der zweifelsohne ein Merkmal der Künstlerin ist. Manchmal entdeckt man auch einen leisen Anflug von Sozialkritik, wenn sich die eine oder andere Dame einer herablassenden Attitüde befleißigt. Verblüffend ist bei all diesen Bildern die gekonnte Behandlung des Aquarells: die Nuancen gehen von leicht hingehaucht, bis zum kräftigen Pinselschlag. Die Formate sind in den meisten Abbildungen an die Größe der Köpfe angepasst.

Man darf gespannt sein, wohin ihre originelle künstlerische Ambition die Malerin und Photographin noch bringen wird!

PHOTOGRAPHIE